Behandlungszimmer im Busch

Namibia-Einsatz vom 05.07. - 20.07.2014
HILFSPROJEKT "Zahnärzte ohne Grenzen"
Dr. Norbert Voß aus Wächtersbach engagiert sich ehrenamtlich in Namibia

 

IMG 4183WÄCHTERSBACH (ahe). Ferne Länder bereisen, Leute und Bräuche kennenlernen und fremde Kulturen erkunden sind Träume vieler Menschen. Auch Zahnarzt Dr. Norbert Voß (42) aus Wächtersbach und die zahnmedizinische Prophylaxeassistentin Petra Lang (56) aus Wenings tauschten ihre Arbeitsplätze in der Wächtersbacher Praxis "Zahnteam Dr. Hager & Dr. Voß" für zwei Wochen gegen ein Abenteuer in Namibia ein. Allerdings verbrachten sie ihren "Aktiv-Urlaub" fern ab von den beliebten Urlauberhochburgen und Touristenzentren. Die beiden waren in Namibia für die Organisation "Zahnärzte ohne Grenzen" (DWLF) mit Sitz in Nürnberg im Einsatz- ehrenamtlich versteht sich.

"Ich wollte schon immer mal in einem anderen Land arbeiten und dabei Land und Leute kennenlernen - und zwar so, wie man es als Tourist nicht erleben kann. Auf Namibia war ich auch deswegen besonders neugierig, weil es früher eine deutsche Kolonie war", begründet Dr. Voß seine Entscheidung für den zweiwöchigen Einsatz in diesem Land. Seine Mitarbeiterin Petra Lang stimmt ihm zu. "Es ist schon lange ein Traum von mir, mit meiner Arbeit in einem fremden Land zu helfen. Ich wollte einmal in meinem Leben diese Erfahrung machen. Jetzt ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen. Namibia lässt mich seither nicht mehr los. Es war eine einmalige, große Erfahrung", so Lang.

IMG 4163Während ihres zweiwöchigen Einsatzes haben Voß und Lang insgesamt 2300 Kilometer zurückgelegt und mehr als 500 kleine und große Patienten behandelt. Nach neunstündigem Flug und der Landung auf dem Flughafen von Windhoek ging es für die beiden gemeinsam mit zwei jungen Zahnärztinnen aus Berlin und Wolfsburg mit dem Auto 480 Kilometer in Richtung Norden - zunächst nach Grootfontein. Im· Gepäck hatten die Deutschen neben jeder Menge Euphorie und einem Koffer mit Materialien und Sachspenden wie etwa Zahnbürsten, Schreibwaren, Spielsachen und Kleidung von ortsansässigen Gewerbetreibenden und Pharmauntemehmen auch zwei mobile Dentaleinheiten. In der Grundschule von Grootfontein wurden die Zähne von 130 Kindern kontrolliert und Schäden behandelt.

Auffällig seien die Vornamen der Grundschüler gewesen:
"Da saßen Wilhelm, Friedrich, Kar! und Elisabeth auf den Behandlungsstühlen - die meisten Mädchen und Jungen hatten typisch altdeutsche Namen, was wahrscheinlich auf die Zeit, als Namibia deutsche Kolonie war, zurückzuführen ist", erzählt Voß.

IMG 5392In den Folgetagen war das vierköpfige Team im Buschmannland unterwegs und behandelte Patienten in Buschklinik, Waisenhaus und Schule. "In dem kleinen Dorf Mangetti stand uns als Behandlungszimmer ein Raum von weniger als zehn Quadratmeter zur Verfügung,  sodass wir Schwierigkeiten hatten dort unser Equipment unterzubringen Auch Wasser war nur schwer aufzutreiben", erzählt Voß. Seine Mitarbeiterin Petra Lang ergänzt: "Wir haben auch Tuberkulose-Patienten und HIV-Infizierte behandelt und zum eigenen Schutz vierfach Handschuhe getragen. Die medizinischen Instrumente konnten im Buschmannland nur desinfiziert und nicht sterilisiert werden. Es war ein sehr anstrengendes Arbeiten".

Überhaupt sei in Namibia einiges "sehr gewöhnungsbedürftig" gewesen. Untergebracht war das vierköpfige deutsche Team im Busch in einem Welldachhaus. Da in Namibia im Juli Winterzeit ist, sei es nicht nur schon recht früh dunkel geworden, sondern die Temperaturen hätten bei höchstens fünf und sogar bis unter null Grad gelegen. "Wir haben Tag und Nacht unsere dicken Fleecejacken angezogen und das Häuschen mit dem Föhn beheizt", erzählt Lang. An die Zubereitung von Fleischgerichten habe sie sich nicht gewöhnen können. Denn das Fleisch von diversen Tieren sei unter freiem Himmel im Busch ungeschützt gelagert worden. "Wir haben uns aus diesem Grund durchweg vegetarisch ernährt und dabei ein paar Kilos verloren", lächelt Petra Lang.

IMG 4619Aber nicht nur der harte Arbeitsalltag bestimmte den zweiwöchigen Aufenthalt in Namibia. Am Wochenende erkundeten die Deutschen den Etoscha National-Park und kamen während der Safari-Exkursion hautnah mit Zebras, Onxy-Antilopen, Kudus, Nashörnern, Hyänen, Leoparden und Giraffen in Berührung.

"Es war ein schöne, wenn auch sehr anstrengende Zeit und ein einmaliges Erlebnis. Land und Leute haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine zweite Reise nach Namibia können wir uns sehr gut vorstellen - aber dann als Touristen", stimmen Dr. Norbert Voß und Prophylaxeassistentin Petra Lang überein.

Quelle: Gelnhäuser Tagesblatt